Stadtkirche > Aktuelle Nachrichten aus der Gemeinde

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Unsere Website wurde am 13.12.2017 aktualisiert.

 

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LICHT

Der Advent ist eine Zeit des Lichts. Das Wunder daran ist, dass das Licht zu uns kommt. Sobald wir uns darauf einlassen. Eine Begegnung hat mir gezeigt, wie das geht.  

 Die Lebensenergie meiner Nachbarin ließ mich Staunen. Ihr 80. Geburtstag stand kurz bevor und noch immer machte sie die Nacht zum Tage. „Dunkelheit lasse ich gar nicht erst zu. Ich bin wie eine Motte, Licht zieht mich anʺ, begründete sie fröhlich. Meinen skeptischen Gesichtsausdruck zwinkerte sie professionell weg. „Du verbrennst dich nur, wenn du unaufmerksam bist und nachlässig dir gegenüber.ʺ Meine Nachbarin war ein ausgelassener Mensch. Das Motten-Motto war wie für sie gedacht. Sie feierte gerne, häufig und lange. Manchmal folgten meine Ohren abends dem Klackern ihrer sich entfernenden Absätze im Treppenhaus. Manchmal weckte mich in der Dämmerung eine zuschlagende Taxitür vorm Haus. Und häufig nickte sie mir vom Balkon aus zu, rauchend, während ich im Hof mein Fahrrad aufschloss. Ihre zierliche Gestalt war in einen Kimono-Bademantel gehüllt, die Wimpern perfekt getuscht, als ginge jeden Moment das nächste Licht an und zöge sie fort. 

Dann kam der Tag, an dem sie mich bat, ihre Reisetasche an die Haustür zu tragen, zwei Stockwerke tief zum Taxi. Sie müsse in die Klinik. Ihre Absätze etwas flacher, ein Seidenschal zum Trenchcoat. Sie war nicht schmaler geworden, dafür ernster. Ich dachte an ihr zuletzt schweres Atmen beim Treppensteigen. Ihre Schwester habe den Schlüssel, falls was anliegt. In einer Woche sei sie zurück. Sie kam wieder. Der Plattenspieler nebenan lief, die Balkontür aber war von nun an meist geschlossen.

Eines Abends ein Klopfen an meiner Tür. „Ich möchte mich verabschieden.ʺ Sie lächelt, als sei das Taxi gleich da, das sie zum Licht bringt. Diesmal wage ich, nachzufragen: „Wohin gehen Sie?ʺ Sie antwortet, ohne zu zögern. „Ins Hospiz.ʺ Meinen betroffenen Gesichtsausdruck zwinkert sie professionell weg. „Ich habe wunderbar gelebt. 80 Jahre lang. Ich bin so vielen Menschen begegnet, die mich bereicherten. Ich bereue nichts.ʺ Edith Piaf fällt mir ein und ihr Chanson „non, je ne regrette rienʺ, nein, ich bereue nichts. „Wie Edith Piafʺ, bringe ich heraus. Sie nickt, ihr Gesicht wird hell. Sehr hell. 

  Dr. Tanja Kasischke    (Frau Dr. Kasischke arbeitete als freie Journalistin 2017 zum Thema Reformationsjubiläum mit Jugendlichen unserer Gemeinde zusammen und wird 2018 für die „junge Ökumene“ tätig sein.)

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Pfr. Radloff – IM GESPRÄCH

Lieber Herr Radloff, Sie wurden am 24.09.2017 in der St. Marienkirche zu Wittstock / Dosse durch Bischof Dr. Dr. h.c. Markus Dröge ins Pfarramt ordiniert. Meine Frage dazu: Seit wie vielen Jahren sind Sie in Köpenick im Religionsunterricht und in der Gemeinde tätig und präsent? Erzählen Sie mal

Ich unterrichte seit 16 Jahren evangelische Religion an mehreren Schulen Köpenicks mit dem Schwerpunkt Oberstufe – zurzeit an drei Schulen. Die drei Schulen haben ein sehr unterschiedliches Profil. In diesen 16 Jahren ist mir auch die Köpenicker Stadtkirchengemeinde vertraut geworden. Es ergaben sich sehr bald vielfältige Kontakte zur Gemeinde – allein schon über die Schüler und deren Eltern. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir in meinem ersten Jahr im Schuldienst am Reformationstag in einem Schülergottesdienst zusammen mit Schülern und Haupt- wie Ehrenamtlichen aus der Gemeinde Szenen aus der Biographie Luthers in der Stadtkirche spielten.  

Seit mehreren Jahren arbeite ich mit einem ehrenamtlichen Predigtauftrag in unserer Gemeinde und leite seit 6 ½ Jahren ehrenamtlich auch die Gemeinsame Junge Gemeinde, die Jugendliche aus der Stadtkirchengemeinde und der benachbarten Schlosskirchengemeinde vereint und ihr Domizil im Pfarrhaus der Schlosskirchengemeinde hat.

Was hat Sie dazu gebracht, gerade (im zweiten Weg) diesen Berufsweg zu gehen? Sie hätten ja auch Apotheker werden können …

Ja – ich hätte auch Apotheker werden können. Das wollte ich auch etliche Jahre und habe dazu Pharmazie studiert. Mein Entschluss, nach dem Abschluss des Pharmaziestudiums dann Theologie zu studieren, stieß bei vielen Menschen in meiner Umgebung – immerhin noch zu DDR-Zeiten – durchaus auch auf Unverständnis. Aber neben meinem naturwissenschaftlichen  Interesse hatten mehr und mehr auch Fragen aus Religion, Philosophie, Geschichte  und Kunst für mich an Bedeutung gewonnen - etwa die Frage: Was ist der Mensch? – und zwar jenseits der Möglichkeiten seiner naturwissenschaftlichen Erklärbarkeit. Und – um mit dem Theologen Paul Tillich zu antworten – reifte in mir die Einsicht, dass Gott etwas ist, dass > uns unbedingt angeht < (nach Tillich) – so sehr, dass ich bald den Wunsch hatte, diesem Thema auch meinen Beruf zu widmen.

Sie haben viele Entwicklungen bei Ihren Ihnen schutzbefohlenen jungen Menschen miterlebt. Wie werten Sie diese Lebenswege nach all´ den Jahren leitender Tätigkeit in der „Jungen Gemeinde“?

Es macht mir große Freude, mit Jugendlichen zu arbeiten. Das gilt für den Schuldienst wie für die Arbeit mit der Jungen Gemeinde. Die Herausforderungen dabei sind ganz unterschiedlicher Art. Es kann auch unbequeme Situationen geben, auf die man sich selbst nach Jahren noch nicht richtig vorbereitet fühlt. Erwachsene überraschen ja auch, aber Jugendliche sind noch weniger festgelegt und bieten daher vielleicht ein größeres Spektrum auch an Überraschungen. Das hält zumindest fit und lehrt mich auch immer wieder Neues. Ich freue mich, wenn sich Jugendliche – auch nach Jahren des Schulabschlusses – noch an mich erinnern und Lebenszeichen senden – manchmal aus weit entfernten Regionen der Erde.

Nicht selten bewundere ich deren Aufbruchsgeist, staune über man-che Unbefangenheit und freue mich mit ihnen über die vielen Möglichkeiten einer freiheitlichen Gesellschaft, die ich in gleichem Alter noch nicht nutzen konnte.

Lieber Herr Radloff, Sie haben das Schlusswort: Was ist Ihr Wunsch für den weiteren Weg unserer Gemeinde? = Was wünschen Sie als Kirchenältester und Mitglied des Gemeindekirchenrates (GKR) konkret unserer Gemeinde für ihren Weg?

Unsere Gemeinde ist eine wachsende Gemeinde mit starkem Potential an Ideen und entsprechenden Möglichkeiten. Neben den Hauptamtlichen engagieren sich viele Ehrenamtliche in unterschiedlichen Ausschüssen und Gemeindekreisen. Das sollte uns froh und dankbar bleiben lassen. Das sollte uns aber auch den wachen Blick für die Menschen erhalten, die unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen: Das sind eben auch die vielen Senioren in Heimen oder eigener Häuslichkeit, die durch ihre Pflegesituation keinerlei Veranstaltungen mehr besuchen können und deshalb oft besonders darauf angewiesen sind, besucht zu werden. Ich bewundere diejenigen, die das bereits leisten und wünsche mir die Stärkung dieses Arbeitsfel-es.

Lieber Herr Radloff, ich danke Ihnen für dieses Interview und wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihre Arbeit mit den jungen Menschen und Ihre Verkündigungsarbeit in Schule und Gemeinde.

Vielen Dank für Ihr großes Engagement!

   Das Interview führte Pfarrer Ralf Musold.

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Am Epiphaniastag (Samstag, den 6.Januar) feiern wir um 17 Uhr Gottesdienst in der Stadtkirche.

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Einladung zum Kaffeeklatsch & Nachbarschaftsgärtnern

Jeden Freitag ab 16 Uhr gibt es eine entspannte Kaffeerunde - auch mit Tee, Gebäck, Kuchen und Obst, für Nachbar*innen, Helfer*innen und Interessierte, gemeinsam mit Bewohner*innen

aus dem Heim. Jede*r kann dafür auch gerne etwas mitbringen. Und schon ab 15 Uhr im “Garten der Hoffnung“ gibt es ein Treffen zum gemeinsamen  Nachbarschaftsgärtnern, jede*r kann mitmachen und ist herzlich willkommen!

Einfach miteinander ins Gespräch kommen ist das Ziel. Daraus  haben sich auch schon einige, engere Kontakte zwischen den Bewoh-ner*innen aus dem Heim und Helfenden entwickelt.

Wo:  Im Containerdorf

Im IB-Übergangswohnheim für geflüchtete Menschen,

Alfred-Randt-Straße 19  im Allende-2-Viertel in Köpenick.

Kontakt: Randolf Brückner,

Allende2hilft e.V.,

brueckner@allende2hilft.de

Tel.: 0176 983 484 90

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