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ERINNERUNG AN  Monika Jacobi – EIN NACHRUF

Am 1. April 2017 kamen wir als große Gottesdienstgemeinde auf unserem Laurentius-Friedhof zusammen, um von Frau Monika Jacobi Abschied zu nehmen. Sie ist am 28. März 2017 im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit in der Mitte der Gemeinde lebend aus dieser Zeit in Gottes schö- ne Ewigkeit heim gerufen worden.

Der Tod von Monika Jacobi hinterlässt eine große Lücke, sie wird uns fehlen in ihrer einmaligen Art. Im Trauergottesdienst wollten wir Generationen verbindend einander zeigen, dass wir zusammengehören, in den glücklichen und schweren Tagen unseres Lebens. So hörten wir auf den Konfirmationsspruch der Verstorbenen, der zum Leben der Monika Jacobi sehr passt. Beim Apostel Paulus im Brief an die Römer heißt es: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet (Römer 12,12).

tl_files/stadtkirche/Portait/Jacobi, Monika 1981-2017.jpgMit ihrem Mann, Hans–Eike Jacobi, mit dem sie über 49 Jahre in symbiotischer Verbundenheit aufeinander bezogen lebte, betete und arbeitete, war sie fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und beharrlich im Gebet; nicht nur in der Nikolaikapelle, sondern in den zahlreichen Kreisen und bei den vielen Menschen in der ganzen Gemeinde. So wurde die Köpenicker Gemeinde für über weit 40 intensive Jahre ihr geistliches Zuhause und Betätigungsfeld.

Sie führte ein Christinnenleben, wie es exemplarisch ist: Sie wusste, worauf es ankommt in der Gemeinde und war bereit, die Rollen ihres Lebens als Basisfrau, Gemeindehelferin, Katechetin, Kreiskatechetin, später Ehrenamtliche, Regionalkreisvorsitzende und Kirchenälteste, Kreissynodale, Vorsitzende des Friedhofsausschusses und treue Schwester im Glauben inmitten der Gemeinde überzeugend zu leben. Es war jedoch kein verbissenes Dienen; sie hatte so etwas Leichtes, Beschwingtes, Tolerantes, jenseits jedweden fundamentalistischen Eifers. Rechthaberei und Fundamentalismen waren ihr völlig fremd. Ihr fröhliches Dienen in großer Rast- und Ruhelosigkeit zugunsten der Gemeinde wird uns in allerbester Erinnerung bleiben

Sie war zugleich eine moderne Denkerin. Mit großem Interesse, ökumenischer Leidenschaft und steter Lernbereitschaft arbeiteten die Eheleute Jacobi schon in den achtziger Jahren in der „Arbeitsgemeinschaft Judentum und Christentum“ in der Berliner Sophienkirche mit. Dieses neue Denken brachte sie sogleich in ihre Verkündigung und Lehre ein. Eine eindrückliche Israel – Reise mit Gemeindegliedern zu Beginn der neunziger Jahre ließ Monika und Hans-Eike Jacobi das verheißene heilige Land schauen. Den Israel - Palästina - Konflikt verfolgte sie fortan hellwach.

Durch Christus ist uns nun eine Hoffnung gegeben, der wie unsere liebe Verstorbene Leiden, Schmerzen, Kreuz und Tod erlitten hat und zu neuem Leben auferstanden ist. Wenn wir mit Gott verbunden bleiben, so werden auch wir uns auf ein neues Leben freuen dürfen. Und dieses neue Leben erbitten wir für Monika Jacobi und nehmen Abschied mit Dank für das, was sie uns gewesen ist. Wir bleiben in der Hoffnung und im Glauben an die Auferstehung mit ihr verbunden: Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Gottes Ewigkeit!

   Ihr Pfarrer Ralf Musold

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ERINNERUNG IN DANKBARKEIT

Erika Henkys, 15. März 1928 - 10. Oktober 2015 und

Jürgen Henkys, 6. November 1929 - 22. Oktober 2015

 

Kirchgänger kennen sich, weil sie sich sonntags sehen. Auch Ehepaar Henkys ging zur Kirche. Dort haben sie mit uns über fünfzehn Jahre lang gehört, gebetet und gesungen, wenn sie nicht auswärts waren.

tl_files/stadtkirche/Portait/Erika und Juergen Henkys.JPGJürgen Henkys hat unseren Gottesdienst bereichert. In unserem Gesangbuch sind zwölf Lieder abgedruckt, die er aus den nordischen Sprachen, aus dem Englischen und Niederländischen übersetzt hat. Über 170 Kirchenlieder hat er ins Deutsche übertragen. Wir singen seine Lieder immer wieder. Er hat auch in Köpenick Gottesdienste gehalten, wobei er zeitweise besonders häufig und gern in der Nikolaikapelle gepredigt hat.

Erika Henkys wurde als Theologin unter uns wirksam, indem sie einen Gesprächskreis mit geleitet hat, Referenten besorgte und am Schicksal der Teilnehmer Anteil nahm. Einige Zeit lang machte sie Geburtstagsbesuche bei älteren Gemeindegliedern. Als sie sich ihrer großen Familie mehr widmen wollte, sie diesen Dienst auf. Aber sie nahm an Demonstrationen bei der "Abschiebehaft" in der Grünauer Straße teil und kümmerte sich um Familien aus Afrika, die sich dort befanden.

Erika Henkys, geb. Gooßes stammte aus dem Rheinland und studierte Theologie. Ihr Mann war Flüchtling aus Ostpreußen. Das Ehepaar kam gegen den Strom 1953 aus dem Westen zu uns in den Osten, wo Jürgen eine Pfarrstelle in der Niederlausitz versorgte, bis er in Brandenburg/Havel in der Ausbildung von Theologen eingesetzt wurde. 1965 wurde er mit mir zusammen Lehrer für die praktischen  Fächer  der Theologie  am Sprachenkonvikt, der Kirchlichen Hochschule in Ostberlin. Ab 1991 war er Professor für Praktische Theologie an der Humboldt-Universität. Er hat viele Studenten zum Pfarrberuf ausgebildet. Durch seine vielen Vorträge war er im Land bekannt. Wegen seiner klugen Bescheidenheit wurde er sehr geschätzt.

Erika Henkys durfte als verheiratete Frau nach der damaligen Gesetzeslage kein Pfarramt bekleiden. Darum wurde sie Katechetin und Kreiskatechetin von Petershagen aus im Kirchenkreis Lichtenberg. Vielen Kindern wurde sie eine Helferin zum Glauben.

Vor einigen Jahren erkrankte Erika Henkys an Krebs, nun verlor sie den Kampf gegen die Krankheit. Sie starb im Hospiz. Zur gleichen Zeit brach Jürgen Henkys zusammen und ging wenige Tage nach dem Tod seiner Frau heim. Zusammen mit den vier Kindern und ihren Familien nahmen viele Gemeindeglieder an beiden Trauerfeiern bewegt und dankbar teil.

   Dr. Friedrich Winter

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Wir lagen ihm am Herzen – zum Tod von Detlef Postel

 

„Ein Prophet gilt nichts in seinem Vaterland“ – gerade das Gegenteil ist bei unserem Bruder in Christo, Detlef Postel, der Fall.

Einige sind früher mit ihm zusammen zur Christenlehre und zum Konfirmandenunterricht gegangen. Konfirmiert wurde er vom damaligen Superintendenten Reinhardt Richter. Dann kam die geradezu legendäre Junge-Gemeinde-Zeit bei Pastorin Elisabeth Brix. Noch heute ist dieser Kreis als Hauskreis zusammen und strahlt in die Gemeinde hinein.

tl_files/stadtkirche/Portait/Detlef Postel.JPGDetlef Postel hat also in den jungen Jahren die Gemeinde als tragende Gemeinschaft erlebt, für die er im Laufe des Lebens mehr und mehr Verantwortungen übernommen hat.

Nach seiner Exmatrikulation aus der Sektion Mathematik an der Universität Leipzig wegen des „Schwerter-zu-Pflugscharen-Zeichens“ holte ihn Manfred Stolpe ans Konsistorium, wo er im Kirchenrecht tätig werden konnte. Nach der Wende studierte er zu Ende und wurde Richter. Dieser Beruf war auch sehr ertragreich in all seinen Aufgaben, die er innerkirchlich im Ehrenamt übernommen hatte.

Sei es als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates oder als Präses der Kreissynode, immer war er kompetent in der Auslegung der Grundordnung unserer Kirche, ja sogar in der Kirchenleitung, zu der wir zeitweise beide gehörten, erlebte ich ihn als eine Art letzte Instanz: selbst die Kirchenjuristen am Tische wurden von ihm manches Mal korrigiert. Immer war er bestens vorbereitet.

Was mir am besten gefiel: er nahm das biblische Bild, in dem Paulus die Gemeinde mit einem Leib vergleicht, das viele gleichberechtigte Glieder hat, sehr ernst. Jedes Aufgabengebiet der Kirche interessierte ihn. Er sang in der Laurentius-Kantorei und im „Erlöser-Kirchen-Chor“, er setzte sich für alles und jeden, der aktiv war, ein. Vor allem auch für die Jugend, hatte er doch drei Kinder, die zu Hause von ihren Erlebnissen in der Gemeinde erzählten.

Als die Gelegenheit günstig war und ein Schulgebäude in Köpenick leergezogen wurde, gründete er zusammen mit einem Interessentenkreis von Eltern den Förderverein Evangelisches Gymnasium Köpenick und dank seiner juristischen Fähigkeiten verhandelte er nach allen Seiten geschickt und gut – und so haben wir nun in Köpenick dieses herrliche Gymnasium, ein Schatz, den die Gemeinde hüten und begleiten darf. Auch im Kuratorium der Schulstiftung war er nun tätig.

Dann wurde Detlef Postel krank. Der vitale Unermüdliche verlor seine körperliche Kraft. Von den nicht enden wollenden Chemotherapien gezeichnet, schleppte er sich dennoch, sooft es irgend ging, zu den ehrenamtlichen Gremien und per Mail war er immer für Probleme aller Art ansprechbar. Sein Geist war fit, seine Ratschläge waren kostbar.

Die letzte Begegnung mit ihm hatte ich am Ersten Advent am Rande der Krippenausstellung. Er hatte sich noch ein letztes Mal in die Stadtkirche geschleppt, um den Basar zu erleben, den er all die Jahre sehr aktiv mitgetragen hat: erst samstags der Aufbau, dann am Sonntag sein Stand vor der Kirchentür, wo er bei jedem Wetter den Glühwein anbot und so die Leute von der Straße in unsre Kirche einlud.

Am 5.Dezember 2013 starb Detlef Postel. Wir sollten ihn als den fröhlichen vitalen Christen in Erinnerung behalten, der keine Konflikte scheute, sich für alles interessierte und jede Aktivität der Gemeinde unterstützte. „Seid fröhlich in Hoffnung!“ Er ist bei Christus, und durch unsern Herrn sind und bleiben wir verbunden.

 

   Annekathrin Seeber

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Erinnerung an Dr. Kirchner

Ein Gelehrter und Pfarrer in unserer Gemeinde: Dr. theol. habil. Hubert Kirchner. Am 23. Oktober 2012 verstarb Hubert Kirchner mit 80 Jahren in unserer Gemeinde. Geboren in Marsdorf Krs. Sorau, flüchtete er mit seinen Eltern 1945 nach Cottbus. Er ging dort zur Schule und studierte dann in Berlin und Heidelberg Evangelische Theologie. Seit dieser Zeit sang er lange Jahre in unserer Laurentius-Kantorei mit. Er heiratete seine Frau Elisabeth, die als Kinderärztin arbeitete. Drei Kinder wurden den Eheleuten geschenkt.

tl_files/stadtkirche/Fotos eigene/Kirchner1.jpgNach seiner Promotion arbeitete Hubert Kirchner sieben Jahre lang an der Weimarer Lutherausgabe in der Akademie der Wissenschaften mit. Aus „politischen Gründen“ wurde er dort 1968 entlassen. Man warf ihm vor, er sei mit westdeutscher Literatur zu großzügig umgegangen. Er schrieb eine Habilitationsarbeit in Greifswald: „Der Deutsche Bauernkrieg im Urteil der Freunde Luthers“. Zugleich ließ er sich in unserer Berlin-Brandenburgischen Kirche als Pfarrer ausbilden. Er ging ins Pfarramt nach Schöneweide. Noch als Ruheständler hat er gern in Herzfelde, Köpenick und Müggelheim gepredigt. Er hielt auch in der Predigerschule Paulinum Vorlesungen in Kirchengeschichte.

Ab 1972 wurde Hubert Kirchner wissenschaftlicher Referent beim „Konfessionskundlichen Arbeits- und Forschungswerk“ in Potsdam und zwei Jahre später zusätzlich beim Bund der Evangelischen Kirchen in Berlin. Er entwickelte sich im Osten Deutschlands zu einem der wichtigsten Kenner der Katholischen Kirche, wurde viel um Rat gefragt und veröffentlichte verschiedene „Materialdienste“, die nicht gedruckt werden konnten. Er schrieb mehrere Bücher zu diesem Thema. Dann gab er auch ein Handbuch über „Freikirchen und konfessionelle Minderheitskirchen“ (1987) heraus. Nach der Auflösung des Bundes der Evangelischen Kirchen 1991 wurde Hubert Kirchner als Fachmann für Fragen der katholischen und osteuropäischen Kirchen beim Konfessionskundlichen Institut in Bensheim/Baden übernommen. Wöchentlich fuhr er dorthin.

In unserer Gemeinde wurde er besonders dadurch bekannt, dass er als Ruheständler den Inhalt der Kirchturmkugel der Stadtkirche erschloss und eine Ausstellung dazu mit organisierte. Zum Stadtjubiläum Köpenicks vor drei Jahren hatte er wesentlichen Anteil an der Entstehung deiner Ausstellung zur Kirchengeschichte Köpenicks. Unsere Kirchengemeinde dankt Hubert Kirchner für seine Dienste.

 

    Dr. Friedrich Winter

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